Geschichte des Betriebs

Der Bauernhof in Hornbek wurde 1836 von meinen Vorfahren gekauft. Anfangs hatten sie ca. 14 ha Land, 5 Kühe, ein paar Schweine, 2 Pferde, Hühner, Enten, Gänse und einen großen Garten. Die Familie hat sich fast nur vom Hof ernährt.

Meine Vorfahren hatten es sicher nicht leicht, aber sie waren als Bauern in der Gesellschaft anerkannt. Jede Generation hat den Hof ein bisschen vergrößert und es wurde in der Familie fest zusammengehalten, die Familienfeste waren damals der Höhepunkt eines Jahres. Nach dem zweiten Weltkrieg begann sich die Landwirtschaft jedoch grundlegend zu ändern.

In den 50er Jahren ging es den Bauern sehr gut, denn die Nahrungsmittel waren knapp und die Preise gut. Der Staat hat dann in den 60er und 70er Jahren alles getan, um die Produktion zu steigern, so dass wir Ende der 70er Jahre eine große Überproduktion hatten. Meine landwirtschaftliche Ausbildung begann 1968 mit der Lehre und endete 1976 mit der Meisterprüfung.

1981 habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen. Wir hatten damals schon einen modernen Laufstall für 60 Milchkühe und bewirtschafteten 80 ha Land. In meiner Ausbildung hat man mir beigebracht, wie es möglich ist, das letzte aus dem Boden und den Kühen herauszuholen. Düngung und Fütterung wurden optimiert, Stallhaltung war einfacher umzusetzen als Weidehaltung und in der gesparten Zeit konnten die Felder optimal bewirtschaftet werden. Die Parole war, immer mehr und immer billiger zu produzieren. Gibt es Probleme mit Boden und Tier hilft die Chemie-Industrie, alles kein Problem! Die Beratung der Bauern wurde zu immer größerem Anteil von der Düngemittel- und Chemieindustrie übernommen. Die Folge war, dass die Agrarprodukte immer mehr und einheitlicher wurden.

Der einzelne Bauer hatte keinen Bezug zu seinen Kunden, denn sein Produkt war austauschbar, so dass man ihn unter Druck setzen konnte und die Preise immer weiter nach unten gedrückt wurden. Da die Preise für Milch immer niedriger wurden, mussten wir und die Kühe immer mehr produzieren, um unsere Kosten zu decken.

Der Wegfall der Milchquoten war da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 2010 kamen mir die ersten Zweifel, ob wir auf dem richtigen Weg sind, die Kühe wurden an ihrer Leistungsgrenze gehalten, sie sollen 10000 Liter Milch im Jahr geben und noch ein Kalb bekommen.

Ich habe mich dann daran erinnert, wie wir in den 60er Jahren fast ohne Chemie gewirtschaftet haben und mit den Kühen im Sommer auf der Weide waren.

2015 kam die Entscheidung: so kann es nicht weiter gehen, für diese Preise wollen wir nicht mehr arbeiten und den Boden und unsere Kühe ausbeuten. Es gab nur zwei Möglichkeiten: aufhören oder etwas komplett anderes machen.
Ich bin nun mal mit Leib und Seele Bauer und kann mich nicht von meinem Boden trennen, auch liebe ich die Rinder sehr, es gibt für mich kaum etwas Schöneres als eine Kuh, die auf der Weide liegt und zufrieden wiederkaut, dann ist die Welt in Ordnung.
Wenn im Frühjahr die Natur erwacht, kann ich mich gar nicht satt sehen an den Veränderungen auf den Feldern, es juckt mir in den Fingern, den Feldern zu helfen und die Früchte wachsen zu sehen. Also muss es weiter gehen (die Vorfahren haben es auch geschafft); bei einem Neuanfang sollte es aber den Kühen und den Feldern deutlich besser gehen, auch sollte die Produktion im Einklang mit Natur und Tierwelt sein.
Keine Ausbeutung mehr, sondern mit den Tieren und mit der Natur. Natürlich ist das teurer, aber das, was wir produzieren, nämlich Rindfleisch, schmeckt auch viel besser. Das ist auch dem Endverbraucher wichtig und dafür ist er gern bereit, etwas mehr zu zahlen. Ein gutes Stück Fleisch von einem gesunden Tier. Ein Kalb, das bei seiner Mutter in der Herde aufwächst, die Wiesen kennt und mit Artgenossen toben darf. Es führt ein glückliches Leben und das ist mir wichtig. Viele Gespräche bestärkten mich in meinem Entschluss, den Betrieb umzustrukturieren. Nun halte ich Mutterkühe in der Herde mit einem Bullen. Aber nur so viele, wie mein Land ernähren kann. Es wird kein Futter mehr zugekauft. Das macht mich glücklich und ich bin stolz auf meine Herde.

Alle Tiere haben Weidegang und werden auf dem Hof gefüttert bis sie geschlachtet werden und das Fleisch soll dann direkt an den Endverbraucher verkauft werden.

Im Sommer kommen die Rinder auf die Weide und für den Winter erzeugen wir auf dem Ackerland Futter. Mit Erbsen und Bohnen können wir den Eiweißbedarf decken und Getreide sorgt für die nötige Energie. Zusätzlich füttern wir Heu von unseren Wiesen. Damit das alles einen sicheren Rahmen bekommt, haben wir auf biologische Bewirtschaftung umgestellt.

Die biologische Wirtschaftsweise erfordert ein großes handwerkliches Können, die Chemie muss durch mechanische Bearbeitung der Felder ersetzt werden. Diese Herausforderung nehme ich gerne an. Mit dieser Wirtschaftsweise schaffen wir es nicht, alle Kräuter zu entfernen und schaffen so einen Lebensraum für viele Tiere und Insekten. Wenn es uns gelingt, hochwertige Nahrungsmittel bodenschonend, tiergerecht und transparent zu erzeugen und zu vermarkten, hat der Betrieb wieder eine Chance.